Am Dienstag, dem 21. April 2026 trafen wir uns zu unserer monatlichen Ortsvereinssitzung im Schützenhaus in Fraureuth. Das beherrschende Thema war die Oberbürgermeisterwahl in Werdau. Wir konnten Philipp Meyer (SEW – Stadterhaltung und Entwicklung Werdau) und Willy Lippold (Die Linke) als Herausforderer des amtierenden Oberbürgermeisters begrüßen, die unserer Einladung gefolgt waren. Willy Lippold und Philipp Meyer bilden gemeinsam mit unserem Genossen Rene Kaiser eine Fraktion im Werdauer Stadtrat.
Willy Lippold
Zur Person
Positionen
Jugendarbeit: Willy Lippold ist die Jugendarbeit wichtig. Er engagiert sich im Werdauer Verein Vielfalt e.V. und organisiert monatlich ein gemeinsames Kochen von und mit Leuten im Alter zwischen 16 und 30 Jahren. Er beklagt, dass durch den Brand im „Clubhaus Werdau“ Angebote für Jugendliche entfallen sind, die nicht ersetzt wurden. Ihm ist die finanzielle Situation der Stadt bewusst. Dennoch darf der Ausbau des Skateparks nicht an den Finanzen scheitern. Er setzt sich dafür ein, dass Veranstaltungsformate, wie das vom Freiraum Kultur e.V. Fraureuth organisierte Moshair-festival auch zukünftig stattfinden kann und kulturelle Angebote, wie z.B. die Kulturinsel Werdau in der Tuchfabrik (August-Bebel-Str. 87) oder die Diskothek Linde ausgebaut werden, in jedem Fall mindestens erhalten bleiben.
Stadtentwicklug und Wirtschaft: Willy Lippold will eine kreative Nutzung leerstehender Gebäude vorantreiben und so Abriss verhindern. Fragliche Objekte müssen kostengünstig einer temporären Nutzung zugeführt werden. Als positives Beispiel nennt er den Unverpackt-Laden in der August Bebel-Str. 51. Er ist der Meinung, dass die Regularien für Gewerbe niedrig gehalten werden müssen. Vom Stadtrat werde hier bereits einiges unternommen, Knackpunkt ist oft die Frage, ob Fördermittel tatsächlich ausgezahlt werden.
Bürgerbeteiligung: Willy Lippold will die Hemmschwelle für eine Bürgerbeteiligung herunter setzen. Das gilt besonders für junge Leute: Die Stadt braucht einen Jugendbeirat. Willy Lippold schlägt den Aufbau einer Webseite vor, auf der geplante städtische Projekte vorgestellt werden. Dort soll es auch eine Möglichkeit zu Abstimmungen geben, die zwar rechtlich unverbindlich sind, der Verwaltung aber Hinweise geben und so zu mehr Bürgernähe und Zusammenhalt führen. Willy Lippold will die Arbeitsatmosphäre im Werdauer Stadtrat verbessern. Er beklagt, dass diese nicht offen ist und nur einzelne Stimmen Gehör finden.
Demographie: Willy Lippold ist in Werdau aufgewachsen und lebt gern in seiner Heimatstadt. Auch ihm bereitet das steigende Durchschnittsalter in Hinblick auf die Zukunft Werdaus Sorgen. Nicht zuletzt deshalb ist er der Ansicht, dass es in Politik und Wirtschaft einen Generationenwechsel geben muss. Insgesamt ist Willy Lippold zuversichtlich, dass junge Leute in der Stadt bleiben und will erreichen, dass die Leute, die es zum Studium in die großen Städte zieht, zurückkehren.
Philipp Meyer
Zur Person
Positionen
Haushalt: Philipp Meyer weist darauf hin, dass nach Aufbrauch der Rücklagen und der anstehenden Neuverschuldung nur über Priorisierung und zusätzliche Mittel zielgerichtet investiert werden kann. Die Hebesätze dürfen dabei nicht erhöht werden. Bei der Gewerbesteuer wäre „Luft nach unten, um die Rahmenbedingungen zu verbessern“, aber aufgrund der Lage der Stadtkasse ist eine Anpassung derzeit nicht möglich. Die Städte und Gemeinden sind zwar unterfinanziert, andererseits erhält Werdau bereits hohe Mittel über den kommunalen Finanzausgleich. D.h. auf der einen Seite steht der Kampf, zusätzliche Mittel über Zuweisungen etc. zu erhalten, andererseits müssen neue Mittel eingeworben werden
Stadtentwicklung: Ideen- und identitätsstiftende – also stadtprägende Gebäude sollen erhalten werden. Als Beispiel nannte Philipp Meyer das 1929 erbaute ehemalige Central-Kino in der Ziegelstraße. Auch wenn eine Sanierung derzeit aus finanziellen Gründen nicht möglich ist, sollte eine Belebung im Empfangshallenbereich unterstützt werden.
Zukunftsgestaltung: Philipp Meyer will die Entwicklung Werdaus strategisch und ergebnisoffen planen. Ausgangspunkt seiner Überlegungen ist ein unter Bürger- und Hochschulbeteiligung durchzuführendes Projekt zum Thema „Wie stellen wir uns Werdau in zehn bis zwanzig Jahren vor?“. In diesem Zusammenhang muss auch das in die Jahre gekommene INSEK2030 nicht nur aktualisiert, sondern ein aktuelles Konzept geschaffen werden. Philipp Meyer will als Oberbürgermeister aus Werdau eine Modellstadt machen und dazu notwendige finanzielle Mittel auch unkonventionell beschaffen. Konkret nennt er Crowdfunding und das Anwerben von Stiftungskapital. Allgemein ist er der Ansicht, dass man nicht hinterlaufen darf, sondern vorangehen muss.
Wirtschaftsförderung: Herrn Meyer ist die Ansiedlung und der Erhalt von Gewerbe wichtig. Insbesondere will er die Hemmschwelle für Unternehmensgründungen durch die Schaffung innerstädtischer Coworking Spaces verringern und dort auch die städtische Wirtschaftsförderung ansiedeln. Unternehmensnachfolgen müssen proaktiv gefunden und unterstützt werden. Sein Motto: Wer in der Stadt arbeitet, kauft auch in der Stadt ein.
Städtische Ämter und Behörden: Philipp Meyer sieht das Oberbürgermeisteramt und die Verwaltung allgemein als Institutionen, welche stets bürgerorientiert und an den Bedürfnissen der Stadt (also aller Bürger) ausgerichtet werden müssen.
Familie und Bildung: Philipp Meyer lebt seit 7 Jahren in Werdau und findet, dass es sich in der Stadt gut leben und arbeiten lässt. Auch er sieht die demografische Entwicklung und meint, dass die Überalterung gestoppt werden muss. Deshalb will er junge Familien in der Stadt ansiedeln und halten. Dazu müsse es neben den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen gute Betreuungsangebote für Kinder geben. Die Personalschlüssel für die Betreuung dürfen nicht abgesenkt werden, eine Beschränkung auf „satt und sauber“ darf es nicht geben. Dass die Bildungsangebote in den staatlichen Schulen nicht ausreichend sind, erkennt er an der wachsenden Zahl an Privatschulen. Diese ergänzen mit ihren individuellen Profilen sinnvoll das Angebot und leisten auch teilweise Dinge, die an staatlichen Schulen so nicht möglich sind. Bildung sollte andererseits aber allen gleichermaßen zugänglich sein.
